Am Klinikum Nürnberg engagiert sich erstmals eine muslimische Seelsorgerin. Die ehrenamtliche Mitarbeiterin begleitet Patientinnen und Patienten und deren Angehörige in belastenden Lebens- situationen. Das Angebot ergänzt die bestehende Seelsorge und trägt der religiösen Vielfalt im Krankenhausalltag Rechnung.
Umgang mit Krankheit und Tod, Sinnfragen, Zukunftssorgen – im Krankenhaus haben viele Menschen besonderen Gesprächsbedarf jenseits von medizinischen Themen. Mit Jasmina Sarac-Hodzic steht zum ersten Mal auch eine muslimische Mitarbeiterin in der Seelsorge zur Verfügung. Seit Herbst 2025 gehört die Nürnbergerin fest zum Team der Ehrenamtlichen und ist regelmäßig auf dem Campus Süd im Einsatz, aktuell in der Klinik für Neurologie. Zuvor gewann sie am Haus in vielen Praktikumsstunden Erfahrung.
Die 48-Jährige mit bosnischen Wurzeln gehört der bosnisch-islamischen Gemeinschaft an. Hauptberuflich ist sie in der interreligiösen Erwachsenenbildung beim Muslimischen Bildungswerk Bayern tätig. Sie absolvierte ihre Ausbildung in ehrenamtlicher Klinikseelsorge am Institut für transkulturelle Verständigung (itv) in Augsburg. Das entsprechende Programm „Muslimische Seelsorge Augsburg“ (MUSA) gilt als bundesweit beispielhaftes Modell für muslimische Seelsorge in Kliniken, Hospizen und Justizvollzugs- anstalten. Ziel ist es, Menschen in Krisensituationen eine kultursensible und religionsnahe Begleitung anzubieten.
Ressourcen wecken und Einsamkeit bekämpfen
Jasmina Sarac-Hodzic entschied sich für dieses Ehrenamt, nachdem sie selbst in einer schwierigen gesund- heitlichen Lage erfahren hatte, wie sehr ein Seelsorgegespräch sie stärkte. Bei ihren wöchentlichen Besuchen auf den Stationen erlebt sie herzliche genauso wie fordernde Momente. „Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist ein Ausnahmezustand. Ich möchte den Patienten dabei helfen, die Ressourcen zu wecken, die sie schon in sich tragen“, sagt sie. Auch Einsamkeit sei ein großes Thema. „Manchmal hilft allein schon Zuhören. Wir Menschen brauchen Zuversicht und Hoffnung – alles andere bietet schon das Leben. Oft gehe ich selbst ganz beseelt aus diesen Gesprächen hinaus.“
Die Begegnungen mit der gläubigen Muslimin, die neben ihrer Muttersprache Bosnisch auch etwas Türkisch versteht, müssen keinen religiösen Bezug haben. „Wie alle Mitarbeitenden der Klinikseelsorge bin ich für alle gleichermaßen ansprechbar. Natürlich ist es aber möglich, gemeinsam zu beten oder einen Segen zu sprechen.“ Durch ihr Kopftuch bekennt sie sich sichtbar zum Islam und muss so auch kritische Reaktionen in Kauf nehmen. „In meinem Beruf verbinde ich ein islamisches Werteverständnis mit wissenschaftlich fundierten Bildungs- und Präventionsansätzen.“ Solchermaßen erfahren im christlich-islamischen Dialog in Deutschland, glaubt Jasmina Sarac-Hodzic an die Kraft des persönlichen Austauschs auch im Krankenhaus. „Wir sind eine plurale Gesellschaft, aber uns eint viel mehr, als uns trennt. Wichtig ist, dass wir uns austauschen, nur so können wir Vorurteile abbauen.“
Sabine Beßler, Vorstand Personal und Compliance am Klinikum Nürnberg, freut sich, dass die 2022 begon- nene Kooperation mit dem Institut itv und seinem Projekt MUSA Früchte trägt. „Die Berufung einer muslimischen Seelsorgerin spiegelt die kulturelle Vielfalt unserer Patientinnen und Patienten, aber auch unserer Mitarbeiterschaft wider. Nach unserem Selbstverständnis sind wir ein Haus, in dem Diversität gelebt und geachtet wird – dazu gehört auch eine interkulturelle, konfessionsübergreifende Seelsorge.“
Offen für alle Weltanschauungen
Am Klinikum Nürnberg arbeiten auf dem Campus Nord und dem Campus Süd zusammen 20 hauptamtliche katholische und evangelische Seelsorgerinnen und Seelsorger. Sie werden von aktuell 31 Ehrenamtlichen unterstützt, die üblicherweise zwei bis drei Stunden pro Woche auf einer Station im Dienst sind. Patienten, Angehörige und Personal können seelsorgerliche Begleitung unabhängig von der eigenen Weltanschauung oder Konfession in Anspruch nehmen.
Bruno Fischer, stellvertretender katholischer Dienststellenleiter der Seelsorge auf dem Campus Süd, leitet die Ehrenamtlichen-Gruppe zusammen mit Gabriele Nüßlein, der stellvertretenden evangelischen Dienststellenleiterin. Beide stellen fest: „Jasmina Sarac-Hodzic ist eine Bereicherung für unser Angebot. Unsere christliche Klinikseelsorge versteht sich seit jeher als offen für unterschiedlichste Weltanschauungen, Religionen und alle existenziellen Fragen, die Menschen in der Klinik beschäftigen. Der Bedarf an Austausch und Gespräch ist groß. Wenn wir nun auch eine islamische Perspektive im Team haben, kann das unserer Arbeit nur guttun, und wir können viel voneinander lernen.“
Bild: Jasmina Sarac-Hodzic verstärkt seit Herbst 2025 das Team der ehrenamtlichen Klinikseelsorge auf dem Campus Süd des Klinikums Nürnberg.
Foto: Jakob Lichtenfeld, Klinikum Nürnberg
