Vor 50 Jahren sind in Bayern die staatlich anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen der Gesundheitsämter entstanden. Seither sind sie eine wichtige Anlaufstelle für Menschen bei Fragen zu Sexualität, Schwangerschaft und Familienplanung. Zum Jubiläum zieht die Beratungsstelle des Gesundheitsamts für Stadt und Landkreis Würzburg Bilanz: Die Anliegen der Betroffenen sind vielfältiger, die rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen komplexer geworden.
„Seit einem halben Jahrhundert ist die Beratungsstelle des Gesundheitsamts Würzburg eine verlässliche Adresse für Menschen in Schwangerschaft und Familienplanung. Die Beratung ist kostenfrei und auf Wunsch anonym. Das ist wichtig, damit sich alle Menschen, unabhängig von ihrer finanziellen Situation, beraten lassen können und sich auch mit sehr persönlichen Fragen anvertrauen“, sagt Landrat Thomas Eberth. „Mein Dank gilt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die den Betroffenen stets auf Augenhöhe und mit Wertschätzung begegnen und sie in herausfordernden Lebenssituationen kompetent begleiten.“
Beratung im Wandel: wachsendes Angebot und komplexere Anforderungen
Die Anfänge der Beratungsstellen gehen auf das Jahr 1976 und die Reform des Schwangerschaftsabbruchs im Paragrafen 218 des Strafgesetzbuchs zurück. Zunächst standen die Schwangerschaftskonfliktberatung und die Ausstellung von Beratungsbescheinigungen im Vordergrund. Durch politische und gesellschaftliche Veränderungen hat sich die Beratungsarbeit stetig gewandelt, und das Angebot wurde laufend an die Bedürfnisse der Bevölkerung angepasst.
Die Beratungsstelle bietet einen geschützten Rahmen für vertrauensvolle Gespräche zu finanziellen, persönlichen und sozialen Fragen sowie für schwierige Entscheidungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützen zudem bei der Beantragung finanzieller Hilfen für Schwangere, begleiten Menschen nach Fehl- und Totgeburten und bieten psychosoziale Beratung in Krisen sowie bei pränataler Diagnostik an. Das Angebot reicht von der Familienplanung in den unterschiedlichen Familienmodellen über die gesamte Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr des Kindes.
„Die Beratungen sind in den letzten Jahren komplexer geworden. Einige Familien sprechen nicht ausreichend Deutsch, andere sind mit der Digitalisierung überfordert und können ihre Anträge nicht selbst stellen. Hinzu kommt die Wohnungsnot, die viele Familien belastet. Auch die gesetzlichen Regelungen sind deutlich anspruchsvoller geworden, und es wird immer schwieriger, sie den Familien verständlich zu erklären“, sagt Christine Erhard, Diplom-Sozialpädagogin und Beraterin in der Schwangerschaftsberatungsstelle des Gesundheitsamts Würzburg.
Sexualberatung an Schulen: Präventionsarbeit mit Jugendlichen
„Auch die sexualpädagogische Präventionsarbeit an Schulen ist stark nachgefragt“, sagt Brigitte Hein aus der Schwangerschaftsberatungsstelle. Die Pädagoginnen und Pädagogen sprechen mit den Jugendlichen offen und ohne Bewertung über Verhütung, Pubertät, Rollenbilder, Konsens und selbstbestimmte Sexualität. Das Team begegnet den wachsenden Herausforderungen mit großem Engagement und einem starken Netzwerk.
Eine individuelle Beratung ist nach Terminvereinbarung im Gesundheitsamt Würzburg (Zeppelinstraße 15) möglich. Das Angebot der staatlich anerkannten Schwangerschaftsberatung ist kostenfrei. Termine können telefonisch unter 0931 8003-5990 oder per E-Mail an schwangerschaftsberatung@lra-wue.bayern.de vereinbart werden.
Weitere Informationen zur Schwangerschaftsberatung finden Sie unter schwanger-in-wuerzburg.de.
