Neuer Studiengang Bauerhalt: Uropas Wissen und aktuelle Forschung

von Aytürk
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Besondere Kooperation von Hochschule Coburg, Universität Bamberg und Handwerkskammer für Oberfranken

Coburg. In Coburg haben die Hochschule Coburg, die Universität Bamberg und die Handwerkskammer für Oberfranken eine besondere Kooperation vereinbart: Der neue Studiengang „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“ legt den Fokus auf den Erhalt und die Sanierung bestehender Gebäude – sozial und ökologisch nachhaltig, mit historischen Methoden und Materialien. Zusätzlich zum Bachelor erwerben die Studierenden vor oder während des Studiums einen Gesellenbrief im Handwerk.

In jedem Jugendstilhaus war das Treppenhaus früher wunderschön mit vielfarbigen Ornamenten und Bildern ausgemalt. „Nach dem Zweiten Weltkrieg musste schnell und günstig renoviert werden“, erklärt Jens Beland. „Damals hieß das: Raufaser drauf und fertig.“ Nicht nur die Bemalungen gingen verloren, sondern auch das Wissen darüber. „Aber mein Uropa hat alles aufgeschrieben. Zum Beispiel, wie die traditionellen Farben angemischt werden.“ Beland, Kirchenmaler und Coburger Kreishandwerksmeister, hat in Coburger Fluren schon einige Jugendstil-Malereien rekonstruiert. An diesem Vormittag steht er aber nicht in einem Altbau, sondern in einem lichtdurchfluteten Raum der Hochschule Coburg mit Blick über die Stadt. Es geht um ein Projekt, das über einzelne Restaurierungen hinausweist.

Forschung und Praxis, Bachelor und Gesellenbrief

Vertreter aus Wissenschaft und Handwerk unterzeichnen die Kooperationsvereinbarung zum neuen Bachelorstudiengang „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“: Er startet im Wintersemester und verbindet handwerkliche Ausbildung mit wissenschaftlichem Studium in Coburg und Bamberg. Die Zusammenarbeit von Hochschule Coburg, Universität Bamberg und Handwerkskammer (HWK) für Oberfranken gilt in dieser Form als bundesweit bislang einmalig. Vorbild sind historische Dombauhütten, in denen Planung, Ausführung und unterschiedliche Gewerke eng zusammenarbeiteten. Jetzt geht es darum, Wissen über traditionelle Techniken zu sichern und auf aktuelle Anforderungen wie nachhaltiges Bauen und den wachsenden Umbau im Bestand zu übertragen.

Hochschule Coburg und Universität Bamberg bauen Zusammenarbeit aus

Für die Hochschule Coburg ist das Projekt eine konsequente Weiterentwicklung bestehender Strukturen. „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit Kooperationen gemacht“, sagt Hochschulpräsident Prof. Dr. Stefan Gast. Seit zehn Jahren wird gemeinsam mit der Universität Bamberg beispielsweise der Masterstudiengang „Digitale Denkmaltechnologien“ angeboten. Der neue Studiengang „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“ ergänzt an der Fakultät Design + Bauen der Hochschule Coburg außerdem Studiengänge wie Architektur und Bauingenieurwesen und erweitert das Spektrum dank einer neuen Stiftungsprofessur um Themen wie barrierefreies Bauen. „An der Schnittstelle zwischen Handwerk und akademischer Welt entsteht hier eine spannende, zukunftsträchtige Ausbildung.“

Auch die Universität Bamberg bringt ihre wissenschaftliche Expertise gezielt in die Kooperation ein – insbesondere über das Kompetenzzentrum für Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT). Universitätspräsident Prof. Dr. Kai Fischbach hebt die „fachlich hervorragende und menschlich vertrauensvolle Zusammenarbeit“ mit der Hochschule Coburg und der Handwerkskammer für Oberfranken hervor. Der neue Studiengang verbinde Forschung, Lehre und Praxis in besonderer Weise: „Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse fließen direkt in die Ausbildung ein und werden anwendbar, zugleich erhält die Forschung wichtige Impulse aus der Praxis“, sagt Fischbach. „Dieser enge Austausch schafft eine fundierte, praxisnahe Lehre und trägt zum Erhalt kultureller Bausubstanz bei.“

Fachkräftemangel im Handwerk: Bedarf an Spezialwissen wächst

Die Handwerkskammer für Oberfranken erhofft sich Antworten auf strukturelle Veränderungen im Berufsfeld. „Für uns gab ein Gespräch mit dem Staatlichen Bauamt Bamberg vor einigen Jahren den Anstoß“, erinnert sich HWK-Präsident Matthias Graßmann. Schon damals fehlte für anspruchsvolle Arbeiten – etwa am Bamberger Dom – geeignetes Personal. „Überall sind Fachkräfte gefragt, die praktische Fähigkeiten mit betriebswirtschaftlichem und planerischem Wissen verbinden. Weil die Babyboomer in Rente gehen, verlieren wir sehr viel Know-how. Der profunde Erfahrungsschatz der älteren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist von heute auf morgen weg.“

Trotz voller Auftragsbücher finden viele Betriebe keine Nachfolge. „Der Bachelorabschluss ist auch eine Unternehmerausbildung für Menschen, die eine Betriebsübernahme planen“, sagt HWK- Hauptgeschäftsführer Reinhard Bauer. In Kombination mit dem Gesellenbrief eröffne er neue Wege, einen Betrieb zu gründen oder zu übernehmen. Auch die Aufgaben im Bausektor verändern sich: Ressourcenknappheit, Klimaschutz und steigende Baukosten machen Sanierung und Umbau immer wichtiger, erklärt HWK-Geschäftsführer Rainer Beck. Damit wächst der Bedarf an Spezialwissen im Umgang mit historischer Bausubstanz. Traditionelles Wissen wie das von Jens Belands Uropa über das Anmischen von Farben wird im Studiengang bewahrt – und in Wissenschaft und Handwerk für die Zukunft gemeinsam weiterentwickelt.

Informationen zum Studiengang

Eine Einschreibung fürs Wintersemester ist ab Anfang Mai möglich. Weitere Informationen unter www.hs-coburg.de/bauerhalt-werktechniken und unter https://www.uni-bamberg.de/ba-bau-werk.

Reinhard Bauer (HWK), Matthias Graßmann (HWK), Jens Beland (HWK), Prof. Dr. Stefan Gast (HS Coburg), Prof. Dr. Kai Fischbach (Uni Bamberg), Rainer Beck (HWK) – von links.
Foto: Natalie Schalk / Hochschule Coburg

An der Hochschule Coburg beschäftigen sich Studierende bereits jetzt mit traditionellen Methoden und Materialien – gemeinsam mit der HWK zu Oberfranken und der Universität Bamberg entsteht der Studiengang „Bauerhalt und traditionelle Werktechniken“.
Foto: Prof. Markus Schlempp / Hochschule Coburg

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