Ali Paşa Akbaş ist Vertreter der dritten Generation einer aus der Schwarzmeerregion stammenden Familie, die vor vielen Jahren nach Deutschland eingewandert ist. Der aus Trabzon stammende Akbaş begann bereits in jungen Jahren seine Laufbahn im Handel und konnte sich insbesondere in wettbewerbsintensiven Branchen, in denen viele türkische Unternehmer tätig sind, durch Beharrlichkeit und Leistungsbereitschaft erfolgreich etablieren. Sein aktives Engagement im sozio-kulturellen Bereich verschaffte ihm im Laufe der Zeit eine sichtbare und einflussreiche Position innerhalb der Gesellschaft. Dank seiner Führungskompetenz, seiner positiven Kommunikationsweise und seiner Fähigkeit, starke soziale Netzwerke aufzubauen, genießt er sowohl Respekt als auch Anerkennung.
Obwohl seit seiner Wahl im Januar zum Vorsitzenden der ATİB (Avrupa Türk-İslam Birliği) zahlreiche Berichte über ihn erschienen sind, zeigt sich, dass die deutsche Öffentlichkeit bislang nur begrenzt Gelegenheit hatte, ihn näher kennenzulernen. Die Redaktion von Aytürk führte daher in Düsseldorf ein ausführliches Interview mit ihm. Besonders seine analytische Herangehensweise, sein vertrauenswürdiger Kommunikationsstil sowie seine klare Botschaft „Wir sind inzwischen Teil der deutschen Gesellschaft“ bildeten den inhaltlichen Kern des Gesprächs.
Das Interview wurde bewusst spontan und ohne Vorbereitung geführt.
Aytürk:
Herr Akbaş, Sie sind seit vielen Jahren im Geschäftsleben tätig. Sind Sie mit diesem Prozess zufrieden?
Ali Paşa Akbaş:
Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland bestimmt auch unsere eigene Lage. Derzeit ist eine deutliche Marktschwäche spürbar, die stark von globalen Entwicklungen beeinflusst wird. Wir erkennen die Problematik, jedoch sind unsere individuellen Handlungsspielräume begrenzt.
Aytürk:
Meinen Sie die Entwicklungen im Golfraum?
Ali Paşa Akbaş:
Ja, jedoch liegt das eigentliche Risiko in einer möglichen Ausweitung des Konflikts. Unser Wunsch ist es, dass Deutschland und die NATO-Mitgliedstaaten gemeinsam diplomatische Lösungen vorantreiben, um die Situation zu stabilisieren und den Konflikt zeitnah zu beenden.
Aytürk:
Interessieren Sie sich intensiv für internationale Politik?
Ali Paşa Akbaş:
In dem Maße, wie es für jeden in Deutschland lebenden Menschen relevant ist. Für mich steht dabei stets die Perspektive Deutschlands im Vordergrund.
Aytürk:
Wie bewerten Sie die aktuelle Politik Deutschlands?
Ali Paşa Akbaş:
Ich halte sie für ausgewogen und richtig. Ich bin grundsätzlich gegen Krieg. Deutschland und die NATO-Staaten zeigen in diesem Prozess eine vorsichtige und rationale Haltung. Denn dies ist nicht unser Krieg.
Aytürk:
Wen meinen Sie mit „unser“?
Ali Paşa Akbaş:
Ich meine Deutschland. Wir leben hier, und dieses Land ist unser Land.
Aytürk:
Wie beurteilen Sie die Golfpolitik Deutschlands?
Ali Paşa Akbaş:
Ich halte sie für angemessen. Ich stimme auch der Aussage von Frank-Walter Steinmeier zu, dass dieser Krieg rechtlich nicht legitim ist. Ebenso reflektiert die Haltung der Bundesregierung eine strategisch richtige Positionierung.
Aytürk:
Die USA als führende NATO-Macht fordern jedoch Unterstützung?
Ali Paşa Akbaş:
Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis. Die aktuellen Operationen fallen nicht unter Verteidigung. Daher ist dieser Krieg weder Deutschlands Krieg noch rechtlich legitim.
Aytürk:
Wie entwickelt sich Ihre Tätigkeit als ATİB-Vorsitzender?
Ali Paşa Akbaş:
Ich habe diese Aufgabe übernommen, um insbesondere junge Menschen zu fördern. Ich komme aus dem kulturellen Bereich, insbesondere aus der Musik, und habe über viele Jahre hinweg zahlreiche Künstler unterstützt.
Aytürk:
Wie wirkt sich diese Erfahrung auf Ihre Arbeit bei ATİB aus?
Ali Paşa Akbaş:
Mein Ziel ist es, ATİB in die Position zu bringen, die der Organisation zusteht. ATİB ist eine in Deutschland verankerte zivilgesellschaftliche Organisation. Auch wenn viele Mitglieder türkische Wurzeln haben, ist sie ein integraler Bestandteil der deutschen Gesellschaft. Unsere Lösungsansätze müssen daher konsequent Deutschland-zentriert sein.
Aytürk:
Können Sie das näher erläutern?
Ali Paşa Akbaş:
Unsere Mitglieder leben in Deutschland. Folglich müssen auch die Lösungen hier entwickelt werden. Der Aufbau stabiler Beziehungen zu staatlichen Institutionen auf Bundes- und Landesebene ist dabei essenziell.
Aytürk:
Wie bewerten Sie die aktuelle Position von ATİB?
Ali Paşa Akbaş:
ATİB wurde vor rund 30 Jahren als Kulturorganisation gegründet, vorwiegend von Menschen mit türkischem Hintergrund. Heute richtet sie sich an Menschen unterschiedlicher Herkunft und fungiert als gemeinsame Plattform für alle, die in Deutschland leben, arbeiten und zum gesellschaftlichen Leben beitragen. ATİB steht für Rechtsstaatlichkeit, Integration, Respekt gegenüber allen Glaubensrichtungen sowie für die Achtung der Menschenrechte.
Aytürk:
Zeichnen Sie damit ein neues Profil für ATİB?
Ali Paşa Akbaş:
Ich bin ein neuer Vorsitzender, aber die Grundwerte von ATİB waren stets dieselben. Möglicherweise wurden sie in der Vergangenheit nicht ausreichend sichtbar kommuniziert.
Aytürk:
Wo sehen Sie ATİB in der Zukunft?
Ali Paşa Akbaş:
Ein Großteil unserer Mitglieder ist muslimischen Glaubens, weshalb wir eine besondere Sensibilität für diese Gemeinschaft haben. Gleichzeitig sind viele Mitglieder türkischer Herkunft, was die Bedeutung der deutsch-türkischen Zusammenarbeit unterstreicht. Dennoch ist klar: ATİB wird als in Deutschland ansässige Föderation ihre Arbeit weiterhin im Einklang mit den deutschen Gesetzen und Integrationspolitiken fortführen.
Aytürk:
Vielen Dank für das informative Gespräch.
Ali Paşa Akbaş:
Ich danke Ihnen.
