Zukunft Nürnberg: Oberbürgermeister Marcus König über Integration, Wohnen und Sicherheit

von Aytürk
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Fragen 1 und 2

Welche inhaltlichen Schwerpunkte und politischen Akzente würden Sie im Vergleich zur aktuellen Stadtführung als Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg neu setzen? / Wie definieren Sie eine bürgernahe, verantwortungsvolle und werteorientierte Kommunalpolitik der CSU unter Ihrer Führung in Nürnberg?

Wir werden in Nürnberg weiterhin konsequent die Perspektive der Bürgerinnen und Bürger in den Mittelpunkt der Verwaltungsarbeit stellen. Dafür setzen wir bei allen Abläufen bewusst die „Brille der Bürgerinnen und Bürger“ auf und gestalten Wege, Prozesse und Zuständigkeiten verständlicher, transparenter und serviceorientierter.

Ein zentrales Beispiel ist die Neuorganisation der Ausländerbehörde im neuen Quelle-Areal („The Q“). Dort entsteht ein modernes städtisches Verwaltungsgebäude mit rund 1.400 Beschäftigten, das Behördengänge übersichtlicher gestaltet und insbesondere für Menschen mit Migrationsgeschichte deutlich erleichtert.

Auch bei der Digitalisierung haben wir große Fortschritte erzielt. Inzwischen stehen mehr als 1.700 städtische Dienstleistungen online zur Verfügung. Nürnberg wurde dafür mit dem Digital Award 2025 ausgezeichnet. Digitalisierung ist für uns kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, um Abläufe effizienter zu gestalten und den Alltag von Bürgerinnen und Bürgern sowie von Unternehmen spürbar zu erleichtern.

Unsere städtische Wohnbaugesellschaft wbg bleibt ein verlässlicher Garant für bezahlbaren und sozial ausgewogenen Wohnraum. In Entwicklungsgebieten wie Großreuth bei Schweinau, dem Tiefen Feld und Lichtenreuth entstehen neue Quartiere mit Wohnungen und der notwendigen sozialen Infrastruktur – darunter Schulen, Kitas, Einkaufsmöglichkeiten und eine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Bezahlbares Wohnen und gute Bildungsbedingungen sind auch für internationale Fachkräfte ein wichtiger Standortfaktor und stärken langfristig Wirtschaft und Beschäftigung in Nürnberg.

Darüber hinaus bleiben Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit, gesellschaftlicher Zusammenhalt, Kultur, Wirtschaft, Innovation und eine leistungsfähige Infrastruktur zentrale Schwerpunkte unserer Stadtpolitik.


Fragen 3 und 4

Rolle von Migrantenorganisationen, Vereinen, zivilgesellschaftlichen Akteuren / Nahezu die Hälfte der Nürnberger Bevölkerung hat eine Migrationsgeschichte. Welche Bedeutung messen Sie dieser gesellschaftlichen Realität für die zukünftige kommunalpolitische Ausrichtung der Stadt bei?

Nürnberg lebt vom ehrenamtlichen Engagement seiner Vereine und zivilgesellschaftlichen Initiativen. Dieses Engagement ist unverzichtbar für den Zusammenhalt unserer Stadt. Der partnerschaftliche Austausch mit Vereinen und Initiativen – auch mit migrantischem Hintergrund – ist für uns selbstverständlich.

Mehr als die Hälfte der Nürnbergerinnen und Nürnberger hat eine Migrationsgeschichte. Deshalb ist Integration in Nürnberg Chefsache. Ich habe in den vergangenen Jahren zahlreiche Vereine und Initiativen besucht und bin regelmäßig Gast bei Veranstaltungen, unter anderem beim Fastenbrechen im Monat Ramadan. Zuletzt stand ich auch im Austausch mit dem deutsch-türkischen Unternehmerverband MÜSIAD und werde diesen Dialog fortsetzen.

Wir setzen auf einen strukturierten und kontinuierlichen Austausch, unter anderem über den Integrationsrat als demokratisch legitimiertes Beratungsgremium, die Nürnberger Integrationskonferenz, die Koordinierungsgruppe Integration, den Rat der Religionen sowie zivilgesellschaftliche Netzwerke und Runde Tische zu Bildung, Prävention, Jugend, Arbeit, Wirtschaft und gesellschaftlichem Zusammenhalt.

Nürnberg ist vielfältig – und diese Vielfalt ist eine Stärke. Entscheidend sind Chancengerechtigkeit durch Zugang zu Bildung, Ausbildung, Arbeit und Wohnen sowie klare gemeinsame Leitlinien wie Sprache, Regeln, gegenseitiger Respekt und aktive Mitwirkung. Internationale Kompetenzen sind ein Standortvorteil, den wir gezielt nutzen, um Nürnberg wirtschaftlich stark, sozial stabil und lebenswert für kommende Generationen zu gestalten.


Frage 5

Welche konkreten Maßnahmen planen Sie, um insbesondere jungen Menschen mit Migrationsgeschichte bessere Perspektiven in den Bereichen Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt zu eröffnen?

Wir setzen früh an – mit hochwertiger frühkindlicher Bildung und gezielter Sprachförderung in den Kitas sowie mit stabilen Übergängen in Schule und Ausbildung. In den Schulen stärken wir Lernförderung, Ganztagsangebote, Schulsozialarbeit, Mentoringprogramme und die Zusammenarbeit mit Eltern.

Der Übergang von der Schule in den Beruf wird durch intensive Berufsorientierung, Praktikumsnetzwerke und eine Ausbildungsoffensive gemeinsam mit Handwerk, Industrie- und Handelskammer sowie regionalen Betrieben unterstützt.

Auch Sport und Kultur spielen eine wichtige Rolle. Durch die gezielte Förderung von Kulturvereinen und Sportstätten eröffnen wir jungen Menschen Räume für Teilhabe, Orientierung und Prävention. Ergänzt wird dies durch den weiteren Ausbau Nürnbergs als Hochschul- und Innovationsstandort, durch Qualifizierungsangebote, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, Jobcoaching und Vorbildprogramme.


Frage 6

Wie möchten Sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Nürnberg stärken und gleichzeitig klare Regeln, Sicherheit sowie gegenseitigen Respekt im täglichen Zusammenleben gewährleisten?

Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Sicherheit und gegenseitiger Respekt gehören für mich untrennbar zusammen. Der öffentliche Raum gehört allen Bürgerinnen und Bürgern. Wenn sich einzelne so verhalten, dass andere verdrängt oder eingeschüchtert werden, handelt die Stadt konsequent.

In Nürnberg gilt Null Toleranz gegenüber Gewalt, Bedrohung, Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit, Rassismus und Extremismus. Dazu gehören mehr Präsenz von Ordnungs- und Sicherheitskräften, bessere Beleuchtung, gezieltes Hotspot-Management sowie Videoüberwachung an besonders belasteten Standorten.

Gleichzeitig setzen wir auf Prävention und Dialog. Jugendhilfe, Streetwork, Schulprojekte sowie Sport- und Kulturangebote fördern Respekt und Verantwortungsbewusstsein im Alltag. Vermüllung, Vandalismus und illegale Ablagerungen verfolgen wir konsequent. Unabhängige Daten zeigen, dass dieser Weg wirkt: Nürnberg zählt laut Polizeilicher Kriminalstatistik zu den sichersten Großstädten Deutschlands und gehört laut Stadtmarken-Monitor 2025 zu den beliebtesten Städten bundesweit.


Frage 7

Welche Bedeutung hat für Sie die Repräsentation von Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationsgeschichte innerhalb der Stadtverwaltung sowie in kommunalen Gremien und Führungspositionen?

Die Stadt Nürnberg ist mit rund 12.000 Beschäftigten eine der größten Arbeitgeberinnen der Region. Darunter arbeiten viele Menschen mit Migrationsgeschichte. Das stärkt Bürgernähe, Servicequalität und interkulturelle Kompetenz – selbstverständlich auf Grundlage des Leistungsprinzips.

Wir fördern Ausbildung, Fortbildung, Mentoring sowie transparente und faire Aufstiegswege. Auch in den kommunalen Gremien ist Vielfalt sichtbar: Im Stadtrat engagieren sich zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter mit Migrationsgeschichte, ergänzt durch den Integrationsrat.

Nürnberg profitiert zudem von Fachkräften aus dem Ausland, die Wirtschaft, Hochschulen und öffentliche Einrichtungen bereichern. Eine vielfältige Verwaltung, engagierte Gremien und eine starke Wirtschaft mit rund 400.000 Arbeitsplätzen machen unsere Stadt zukunftsfähig.


Frage 8

Steigende Mieten und Wohnungsknappheit stellen für viele Nürnberger Familien eine erhebliche Herausforderung dar. Welche wohnungs- und sozialpolitischen Lösungsansätze verfolgen Sie, um insbesondere einkommensschwächere Haushalte gezielt zu entlasten?

Wir verfolgen einen breiten Ansatz: schneller und mehr bauen, die soziale Wohnraumförderung stärken, den bestehenden Wohnraum durch Sanierung, Aufstockung und Umnutzung besser nutzen sowie Leerstände aktivieren. Die wbg bleibt dabei ein zentraler Pfeiler für bezahlbaren Wohnraum.

Familien stehen besonders im Fokus. Größere Wohnungen, wohnortnahe Kitas und Schulen sowie eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sind entscheidend. Bezahlbares Wohnen und gute Bildungsangebote sind zugleich wichtige Standortfaktoren für internationale Fachkräfte und stärken Nürnberg insgesamt.


Frage 9

Wie kann die Integrationspolitik der CSU auf kommunaler Ebene in Nürnberg weiterentwickelt werden, um gesellschaftliche Teilhabe und Eigenverantwortung gleichermaßen nachhaltig zu stärken?

Integration lebt von Anerkennung und gemeinsamer Geschichte. 65 Jahre nach dem Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei sind Menschen mit türkischem Hintergrund ein fester Bestandteil der Nürnberger Stadtgesellschaft. Städtepartnerschaften, kultureller Austausch und wirtschaftliche Verbindungen bereichern Nürnberg sichtbar und nachhaltig.

Integration gelingt dort am besten, wo Teilhabe, Eigenverantwortung und gegenseitiger Respekt zusammenkommen – im Alltag, im Beruf, im Ehrenamt und im demokratischen Engagement.


Frage 10

Abschließend: Welche zentrale Botschaft möchten Sie den wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationsgeschichte sowie deren in Deutschland aufgewachsenen Kindern mit Blick auf die Zukunft Nürnbergs vermitteln?

Meine Botschaft ist klar: Nürnberg ist Heimat für alle, die hier leben und Verantwortung übernehmen. Gleiche Chancen gehören zu gleichen Regeln. Bildung, Arbeit und Engagement eröffnen Perspektiven.

Ich möchte, dass alle Kinder und Jugendlichen in Nürnberg – unabhängig von Herkunft oder Namen – die gleichen Chancen auf gute Bildung, eine qualifizierte Ausbildung und einen sicheren Arbeitsplatz haben. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit, aber auch eine Investition in die Zukunft unserer Stadt.

Gerade im Wahlkampf ist mir ein fairer und respektvoller Umgang besonders wichtig. Deshalb werbe ich ausdrücklich für demokratische Beteiligung:

8 Mart 2026’da sandığa gidin ve demokrasiden yana oy kullanın.

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