Auszubildendenzahl stabil, aber auf niedrigem Niveau

HWK für Oberfranken HWK für Oberfranken

Handwerk steht in starker Konkurrenz mit allen anderen Branchen – In der Zukunft warten hervorragende Perspektiven auf Berufseinsteiger 

Bayreuth. Am 1. September starten insgesamt 1711 Auszubildende Ihren Berufsweg im oberfränkischen Handwerk. „Wir sind froh, dass wir unsere Ausbildungszahlen im Vergleich zum Vorjahr konstant halten und sogar ein kleines Plus erreichen konnten“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken, Reinhard Bauer. Dennoch habe man die Corona-Delle noch nicht überwunden. Im Vergleich zu 2019 liege man in der Summe noch um fast 10 Prozent zurück. „Mittlerweile wird es immer schwieriger, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern“, so Bauer. Dies sei auch kein Wunder, trete man doch hier in Konkurrenz mit allen anderen Wirtschaftsbereichen, die ebenso händeringend nach dem geeigneten Nachwuchs suchen. Allerdings gebe es mehr als nur einen Hoffnungsschimmer am Horizont. „Handwerk hat Zukunft! Handwerker*innen werden gebraucht. Das ermöglicht den jungen Leuten hervorragende Perspektiven. Noch nie waren die Einstiegs- und Karrierechancen im Handwerk so gut wie jetzt“, ist Reinhard Bauer überzeugt. 

Der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, Matthias Graßmann, sieht ebenso eine Vielzahl von Ursachen für die immer noch reduzierte Nachfrage nach Ausbildungsplätzen: „Die demographische Entwicklung, die starke Konkurrenz aus Industrie, Handel und Verwaltungen sowie die krisenbedingte Unsicherheit der jungen Menschen und ihrer Eltern spielen uns beim Werben um die passenden Nachwuchskräften nicht gerade in die Karten.“ Zudem konnte das Handwerk coronabedingt zwei Jahre lang keine Praktika anbieten. Diese sind gerade für das Handwerk besonders wichtig. „Wir sind bei unserer Nachwuchsarbeit immer dann erfolgreich, wenn es uns gelingt, junge Menschen zum Mitmachen zu bewegen, weil sie dann merken, wie schön und erfüllend es ist, mit den eigenen Händen etwas zu gestalten und zu bewegen,“ so Graßmann. 

Dennoch verspüre das Handwerk in Gesellschaft und Politik mittlerweile einen leichten Bewusstseinswandel pro Handwerk. „Der Öffentlichkeit ist bewusst geworden, dass die großen Herausforderungen der Zukunft wie Klimaschutz, Energie- und Mobilitätswende, Digitalisierung und nachhaltiges Wirtschaften ohne das Handwerk nicht zu machen sind“, sagt der HWK-Präsident. Dies gebe zusätzlichen Rückenwind für die Nachwuchsarbeit und eröffnet der Jugend beste Chancen, sich beruflich zu etablieren und weiterzuentwickeln. Und zwar in Betrieben, die modern und innovativ aufgestellt sind und schon lange nicht mehr die althergebrachten Vorurteile von schwerer und schlecht bezahlter Arbeit bestätigen. Ganz im Gegenteil: „Das Handwerk steht gerade in diesen unsicheren Zeiten für stabile und sichere Arbeitsplätze, meist direkt vor Ort, mit vergleichbaren Verdiensten zu anderen Branchen,“ so Graßmann.

„Wir arbeiten intensiv daran, die Ausbildung im Handwerk als das zu positionieren, was sie ist: ein höchst interessanter und erfolgversprechender Weg in das Berufsleben, der nach oben alle Qualifikationsmöglichkeiten offenlässt, beispielsweise auch ein Studium“, sagt Reinhard Bauer. „Als Handwerker*in hilft man mit, das Klima zu retten, setzt die Energiewende um, ermöglicht die EMobilität, steuert das Smart-Home, sorgt für nachhaltige Lebensmittel und baut Häuser für die Zukunft.“ Deshalb wird die Handwerkskammer auch nicht müde, für eine Ausbildung im Handwerk zu werben. Beispielswiese bei den kammereigenen Berufsmessen Handwerk am 15. Oktober in den drei HWK-Bildungszentren in Bayreuth, Bamberg und Coburg. „Unter dem Motto ‚Ein Samstag für Deine Zukunft‘ versuchen wir, die handwerklichen Berufe bei Jugendlichen und ihren Eltern ins rechte Licht zu rücken, eventuelle Vorurteile aus dem Weg zu räumen und unsere Gewerke praxisnah mit Mitmacheffekt zu präsentieren,“ so Bauer. 

Türen zur Ausbildung bleiben weiter offen 

Auch wenn der offizielle Startschuss für das Ausbildungsjahr auf den 1. September fällt, bleiben für interessierte Jugendliche im Handwerk weiter offen. „Unsere Betriebe ermöglichen auch einen späteren Start bis zum 31. Oktober“, betont HWK-Hauptgeschäftsführer Bauer. Unabhängig vom jeweiligen Ausbildungsjahr sei sogar rein theoretisch an jedem Tag des Jahres ein Einstieg in die Berufsausbildung möglich. In der „Lehrstellenbörse“ der Handwerkskammer sind momentan 551 freie Ausbildungsstellen in den unterschiedlichsten Gewerken eingetragen. Die klare Botschaft an alle, die in die Berufswelt starten wollen: „Im Handwerk warten ausgezeichnete Perspektiven auf Euch!“

 

Eckdaten zum Start des Ausbildungsjahrs im oberfränkischen Handwerk 

 

Am 1. September startet das Handwerk in ein neues Ausbildungsjahr und damit legen 1711 Jugendliche den Grundstein für eine erfolgreiche Karriere im Handwerk 

 

Meistgewählte Ausbildungsberufe 

• Top 3 Ausbildungsberufe bei Männern 

 

1. Kfz-Mechatroniker 

2. Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik 

3. Elektroniker 

 

• Top 3 Ausbildungsberufe bei Frauen: 

 

1. Friseurin 

2. Kauffrau für Büromanagement 

3. Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk 

 

Offene Lehrstellen (Online-Lehrstellenbörse der HWK, Stand 31. August 2022) 

 

• 551 offene Lehrstellen und 39 Praktika 

 

1. Anlagenmechaniker/in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (57 offene Stellen) 

2. Feinwerkmechaniker/in (36 offene Stellen) 

3. Kfz-Mechatroniker/in (34 offene Stellen) 

4. Elektroniker (33 offene Stellen) 

5. Mechatroniker/in für Kältetechnik (32 offenen Stellen) 

6. Fachverkäufer/in im Lebensmittelhandwerk (27 offene Stellen) 

7. Beton- und Stahlbauer/in (18 offene Stellen) 

8. Maurer/in (18 offene Stellen) 

 

Ausbildende Betriebe 

 

• 1.902 Ausbildungsbetriebe (vgl. 2021: 2.103), davon 

 

o 1.720 Betriebe in der Anlage A (Gewerke mit Meisterpflicht) 

o 72 Betriebe in der Anlage B1 (Zulassungsfreie Gewerke) 

o 3 Betriebe in der Anlage B2 (Handwerksähnliche Gewerke) 

o 107 Übrige

 

 

Neue Ausbildungsverträge 2022 – Ausländer (Stand: 31.August 2022)

 

• 125 ohne deutsche Staatsangehörigkeit (davon 1 aus der Ukraine)

 

 

Ulrich Förtsch - Unternehmenskommunikation der Handwerkskammer für Oberfranken 

 

 

 

 

 

 

Aytürk

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