Kulturmedaillen von 2021 „nachgereicht“:
Preiswürdiges Tanzen, Erinnern, Filmen


2021

Dank an Künstler und engagierte Menschen in der Erinnerungskultur, die
mit ihrem Schaffen das Leben vieler Würzburgerinnen und Würzburger
bereichern: Der Verein Rollywood, die Tänzerin und Choreografin Lisa
Kuttner sowie der Verein DenkOrt Deportationen nahmen nun im Ratssaal
von Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Kulturreferent Achim
Könneke die Kulturmedaillen 2021 entgegen. 2021

Dank an Künstler und engagierte Menschen in der Erinnerungskultur, die
mit ihrem Schaffen das Leben vieler Würzburgerinnen und Würzburger
bereichern: Der Verein Rollywood, die Tänzerin und Choreografin Lisa
Kuttner sowie der Verein DenkOrt Deportationen nahmen nun im Ratssaal
von Oberbürgermeister Christian Schuchardt und Kulturreferent Achim
Könneke die Kulturmedaillen 2021 entgegen.



Der Verein für kreative Inklusion e.V. „Rollywood“, die Tänzerin Lisa
Kuttner und der Verein „DenkOrt Deportationen e.V.“ erhielten nun im
feierlichen Rahmen die Kulturmedaillen 2021 der Stadt Würzburg. Mit
einem Jahr Verzug - wieder einmal Corona geschuldet - widmete sich die
Stadt Würzburg anerkennend drei ganz unterschiedlichen Bereicherungen
des Würzburger Kulturlebens.



Oberbürgermeister Christian Schuchardt freute sich, mit dem Festakt an
die lange Tradition städtischer Kulturpreise anknüpfen zu können. Seit
1965 wird der Kulturpreis vergeben, die Kulturmedaillen gibt es seit
1995. Eine ganze Reihe der bisher 64 Preisträgerinnen und Preisträger
zählten nun zu den Festgästen: „Diese Anerkennungen sind ein
zentraler Bestandteil unserer Kulturförderung. In den letzten beiden
Jahren war es gerade für die Kunst- und Kulturschaffenden eine schwere
Zeit, die an Energie und Substanz und nicht zuletzt an Existenz gezehrt
haben. Und leider gilt: Nach der Krise ist vor der Krise. In diesen
schweren Zeiten ist es besonders wichtig Danke zu sagen. Danke für Ihre
Zeit, Ihre Ideen, Ihre Kreativität, Ihr Engagement!

“

Auch Kulturreferent Achim Könneke freute sich, dass bei der
Kulturmedaillenverleihung ganz unterschiedliche Sparten der Würzburger
Kulturlandschaft zu Ehren kamen. Gemeinsam sei den Preisträgern, dass
sie durch ihre Kunst insbesondere auch gemeinwohlorientiert und fördernd
in die Stadt hineinwirken: „Sie sorgen nicht nur für ein reiches,
städtisches Leben, sie sorgen auch dafür, dass möglichst viele
Menschen daran partizipieren können und dass sich kulturelle Aktivität
möglichst allen Menschen, gleich welchen Alters, Gesundheit oder
welcher Orientierung, als wichtige, lebensbereichernde Option eröffnen
kann.

“

Lisa Kuttner, Choreographin und Leiterin des Tanzraums Würzburg, hat
sich in den vergangenen Jahren insbesondere mit freien Tanzproduktionen
und inklusiven Produktionen sowie der Durchführung von Tanzformaten
unter der Mitwirkung von Menschen mit und ohne Handicap hervorgetan.
„Ihren“ Tanzraum gibt es seit dem Jahr 2005. Ursprünglich als Studio
für zeitgenössischen Tanz gegründet, konzentriert sich das aktuelle
Angebot vor allem auf Kurse und Workshops, die den Tanz und die
Körperwahrnehmung miteinander vereinen. Dabei geht es ihr vor allem
darum, die künstlerische Arbeit mit den heilenden Kräften von Bewegung
und Tanz zu verbinden, denn sie sieht ihre tänzerische und
körperschulende Arbeit als Verbindung von Körper, Seele und Geist.
Mit der Gründung des Tanzraums formte Lisa Kuttner auch das Tanzraum
Ensemble mit professionellen und semi-professionellen Tänzerinnen. Mit
den Schauspielern des inklusiven Theaters Augenblick arbeitet sie zudem
seit vielen Jahren erfolgreich als Choreografin. Laudatorin Dr. Bettina
Schmitz hob neben der enormen Schaffenskraft Kuttners auch ihren
unermüdlichen Einsatz für die Sache der Frauen hervor. Die
Performance „Justitia ist eine Frau“, der Auftritt im Ratssaal zum 100.
Geburtstag des Frauenwahlrechts oder das Mitwirken bei „One Billion
Rising“ sind einige explizit feministische Beispiele ihrer Kunst.
Insgesamt scheue sich die Künstlerin nie vor anspruchsvollen Themen und
Kooperationen mit ständig neuen Partnern, Bühnen und Institutionen.



Barbara Bily hielt die Laudatio für den DenkOrt Deportationen: „Für
mich ist das Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz – einem der
infrastrukturellen Knotenpunkte der Stadt – Zeichen einer äußerst
gelungenen Erinnerungskultur“. Sieben Deportationen mit 2.069 Männern,
Frauen und Kindern starteten zwischen 1941 und 1944 aus Unterfranken in
die osteuropäischen Durchgangs- und Vernichtungslager. Von den
Deportierten überlebten nur 63 Menschen. Diese Schicksale sowie die
Grausamkeit des NS-Regimes sind es, an die der Verein „DenkOrt
Deportationen“ erinnern möchte. Auf dessen langjährige Initiative hin
wurde im Juni 2020 am Hauptbahnhof der „DenkOrt Deportationen“
eingeweiht. Hauptmotiv des beeindruckenden Mahnmals, dessen Entwurf vom
Architekten Matthias Braun stammt, sind die Gepäckstücke, die die
Menschen links und rechts auf ihrem Weg zu den Zügen zurücklassen
mussten. Der DenkOrt ist über Zwillingsgepäckstücke mit allen Gemeinden
verbunden, in denen es bis 1933 jüdische Gemeinden gab. Laut Bily ist
der DenkOrt aber nicht nur geeignet um an den Holocaust zu erinnern, es
sei auch ein Zeichen gegen den heutigen Antisemitismus, der laut
aktuellem Verfassungsschutzbericht im Jahr 2020 mit 2351 antisemitischen
Straftaten in Deutschland den höchsten Wert seit Beginn der Erfassung
verzeichnete. 



Im Internet wurde ergänzend zur wachsenden Installation am Hauptbahnhof
der DenkOrt 2.0 entwickelt, eine umfangreiche Webseite mit
recherchierten Biografien der Deportierten und den früheren
unterfränkischen jüdischen Gemeinden. Derzeit gehören dem Verein
Christine Hofstetter, Michael Stolz, Hannelore Hübner, Dr. Harald Ebert,
Leiter der Don-Bosco-Berufsschule, Dr. Rotraud Ries, ehemalige Leiterin
des Johanna-Stahl-Zentrums für jüdische Kultur und Geschichte in
Unterfranken, Karl-Heinz Spiegel, ehemals Leiter der Akademie
Frankenwarte, Susanne Wildfeuer und die frühere Stadträtin Benita Stolz
an.



Die stellvertretende Landrätin Karen Heußner präsentierte in der
dritten Laudatio des Abends einen Verein, der in kürzester Zeit von
einem kleinen Filmprojekt zu einem Hort der Kreativität mit über 200
Menschen im engeren Umfeld gewachsen ist. Rollywood, ein Verein für
kreative Inklusion, wurde 2017 gegründet. Der Verein macht Filme von und
mit behinderten Menschen. Hierbei steht allerdings nicht die Behinderung
im Vordergrund, sondern es geht dem Verein vor allem um den kreativen
Austausch und das Miteinander seiner Mitglieder und Partner. Menschen
mit Behinderung sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, sich
künstlerisch durch Musik, Tanz und Film auszudrücken, und
gleichzeitig sollen Kunst und Kultur gefördert werden. Die
erfolgreichsten Projekte des Vereins sind der Stummfilm „Gloria
Viktoria“, der „Hospital Rap“ gegen den Pflegenotstand und „Wüzard“,
ein Film in Kinolänge. Laudatorin Karen Heußner sprach von einem
regelrechten Epos und sie gab viele Einblicke in „diese besondere Form
der Kulturvernetzung aller Kunstrichtungen und darüber hinaus“. In den
Spaß werden immer neue Akteure einbezogen, so kam auch Oberbürgermeister
Schuchardt schon zu einer Gastrolle in Ritterrüstung auf der Festung. In
Sachen Marketing geht man auch außergewöhnliche Wege und hat mit dem
„Lachsaft“ ein offizielles Getränk am Start. Wer noch nicht über
Rollywood gestolpert ist, obwohl das Team immerhin schon einen zweiten
Platz bei den Schweinfurter Kurzfilmtagen erringen konnte, dem sei die
Homepage als erste Infoquelle empfohlen: https://www.rollywood-ev.com/.
Für das große Team nahm stellvertretend Aaron Gerberich die Auszeichnung
entgegen. Los ging alles mit einem Lehrfilm mit und für die Mitarbeiter
der Wohnanlagen im Förderzentrum. Aus diesem Projekt sollte schnell viel
mehr werden und Gerberich blieb mit seiner Mutter Julia Rollywood bis
heute treu und bedankte sich nun für die „Auszeichnung als ein Junior“
in der langen Liste mit Würzburger Kulturgrößen. 



Was wäre eine Kulturmedaillenverleihung ohne Musik? In diesem Jahr
übernahm Nikolaus Jira am Piano die Aufgabe, der Preisverleihung
einen würdigen Rahmen zu geben: der passende Soundtrack auch für den
ausgezeichneten Verein Rollywood.




Aytürk

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