15 Jahre Integrationsarbeit: Erfolge und Herausforderungen

BAMF
Am 1. Januar 2005 trat mit dem Zuwanderungsgesetz eine Reform der Integrationspolitik in der Bundesrepublik Deutschland in Kraft. Seit der damit verbundenen Einführung der Integrationskurse haben bundesweit fast 2,4 Millionen Menschen an 170.000 Kursen teilgenommen und so einen Zugang zu Sprache und Werten der deutschen Gesellschaft erhalten. Das BAMF hat in den vergangenen 15 Jahren ein ausdifferenziertes Angebot an Kursen geschaffen, das stetig weiterentwickelt und den aktuellen Herausforderungen angepasst wird. Carola Cichos leitet das Referat "Fragen der sprachlichen und politischen Bildung" im BAMF und hat die zurückliegenden 15 Jahre Integrationsarbeit maßgeblich mitgestaltet.
 
Frau Cichos, was sind für Sie die größten Erfolge der Integrationsarbeit in den letzten 15 Jahren?
Cichos: Wir haben es geschafft, in den letzten Jahren ein qualitativ hochwertiges System aufzubauen, das Menschen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg der gesellschaftlichen Teilhabe begleitet und unterstützt. Das Gesamtprogramm Sprache ist mit seinem ausdifferenzierten Angebot der Integrations- und Berufssprachkurse einmalig in Europa.
 
Bundesweit geltende einheitliche Konzepte und Curricula, standardisierte Abschlussprüfungen, anspruchsvolle Zulassungskriterien für Kursträger, Lehrkräfte und Lehrwerke, umfangreiche Vor-Ort-Kontrollen durch unsere 260 Regionalkoordinatorinnen und -koordinatoren in den Integrations- und 70 Außendienstmitarbeitende in den Berufssprachkursen sowie die Weiterbildung von Lehrkräften mit derzeit fünf Zusatzqualifizierungen sind dabei nur einige Beispiele für unseren hohen Qualitätsanspruch.
 
 
Quelle: BAMF
Unser System ist sehr flexibel ausgelegt und wir tauschen uns ständig mit allen relevanten Akteuren der Integrationsarbeit aus, so dass wir neue Bedarfe schnell erkennen und gegebenenfalls darauf reagieren können. Und natürlich werden unsere Integrationskurse auch umfangreich evaluiert.
 
Was waren die besonderen Herausforderungen der letzten 15 Jahre?
Cichos: Hier ist zunächst die enorm hohe Zuwanderung von Geflüchteten in den Jahren 2015/2016 zu benennen. In kurzer Zeit haben wir gemeinsam mit unseren Trägern ein Netz aufgebaut, um ausreichend Angebote und Plätze zu schaffen.
Das war auch in ländlichen Gebieten so, die vor 2015/2016 weniger attraktiv für Menschen mit Migrationsgeschichte waren.
Mit der Corona-Pandemie bewältigen wir gerade die nächste große Herausforderung. So haben wir beispielswiese für eine Flexibilisierung der Kursdurchführung gesorgt, um den Trägern zu ermöglichen, unter erschwerten Bedingungen weiterhin erfolgreich zu arbeiten. Für die Teilnehmenden wurden die digitalen Lernangebote gestärkt und Lehrkräften entsprechende Fortbildungen angeboten. In Online-Tutorien konnten Teilnehmende der Integrations- und Berufssprachkurse in insgesamt 7.100 Lerngruppen auch in Zeiten des völligen Lockdowns weiterlernen, in den Berufssprachkursen wurde zudem in rund 1.700 virtuellen Klassenzimmern gelernt.
 
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Integrationsarbeit?
Cichos: Deutschland hat mit den Integrationskursen, Berufssprachkursen sowie zahlreichen ergänzenden Angeboten – vom Erstorientierungskurs bis zu den Integrationsprojekten – ein qualitativ hochwertiges, transparentes und flexibles Integrationsangebot für die verschiedenen Zielgruppen und Bedarfe. Ich wünsche mir, dass dies weiterhin dazu beiträgt, dass Menschen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg der gesellschaftlichen Teilhabe begleitet werden – und das in keinem starren System, sondern immer orientiert am Bedarf und den Zeichen der Zeit. Und ich freue mich persönlich, dass ich in den letzten 15 Jahren diese Entwicklung begleiten durfte.
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